• Torsten Günzel

"Menara" von Zoch


#8/2018 - Menara, malayisch für Turm, forderte uns als Familie gewaltig heraus. Erst in der 5. Partie schafften wir die Herausforderung und waren Stolz wie Oskar!

Denn dieses Bauspiel ist ziemlich knackig gestaltet und bietet einige Frustfaktoren. Ob wir überhaupt dazu einen Beitrag schreiben war daher einige Zeit fraglich. Denn wir schreiben ja nur über Spiele, welche es wirklich öfters und immer mal wieder auf den Tisch schaffen. Menara war zwar "Liebe auf dem ersten Blick" , aber es stellte sich auch schnell erster Frust ein. So war es zwischenzeitlich schon kurz davor in die Trödel-Kisten zu verschwinden!! Dennoch schaffte es dieses Spiel, dass wir es immer wieder versuchten und den Spaß dann eben doch nie ganz verloren haben. Und dabei musste ich keine Überzeugungsarbeit leisten - wie so bei manch anderen Spielen, wo eindeutig ich die treibende Kraft bin es immer wieder zu spielen! Nein, hier waren alle immer wieder dazu bereit einen Versuch zu starten. Und wenn man es dann schafft den Turm endlich in ausreichender Höhe stabil aufzubauen ... dann ist der Jubel einfach riesig. Und dann will man dieses Erfolg wiederholen und fängt wieder von vorne an ;)

Darum geht´s:

Da hat sich Oliver Richtberg was einfallen lassen: Als Spieler entdecken wir einen wundersamen Tempel bzw. dessen Säulen und Böden. Und daraus gestalten wir Runde um Runde ein Tempelbauwerk der Meisterklasse! Ganz so hoch wie der Menara Petronas in Kuala Lumpor muss es zwar nicht werden (der ist immerhin offiziell 452m hoch), aber wir benötigen einige Etagen um den Sieg zu erreichen. Und das gestaltet sich schwierig:

Jede Runde müssen wir Spieler Aufgabenkarten ziehen und diese ausführen: Säulen errichten ist oft noch einfach und machbar, aber wenn dann plötzlich neue Etagen aufgebaut werden müssen oder wir Säulen oder sogar ganze bereits gebaute Etagen versetzen müssen wird es schwierig und führt oft sogar zur Niederlage. Denn sobald der Tempel einstürzt oder mehr als zwei Säulen kippen ist es vorbei. Dabei muss man allerdings gesunden Menschenverstand walten lassen: Als bei einem unserer Spiele jemand ausversehen an den Tisch kam und dieser etwas wackelte haben wir die gekippten Säulen wieder aufgestellt :)

Verpackung, Material & Aufbau:

Die Verpackung ist schön gestaltet und zeigt ein ansprechendes Cover. Die Illustration ist wirklich gelungen und beamt uns sofort in die mystische Atmosphäre unseres Tempelbauwerkes.

Der Inhalt ist natürlich das spannende: Insgesamt 76 Holzsäulen in verschiedenen Farben sind enthalten und passen in einen beiliegenden Stoffbeutel (Baumwolle). Der ist etwas klein geraten, wenn alle Säulen darin aufbewahrt werden ist ein hineingreifen nicht ganz einfach. Eine Nummer größer wäre hier bequemer gewesen.

Daneben sind 18 Tempelböden enthalten, jeweils aus Pappe in teils skurrilen Formen und beidseitig bedruckt (eine helle und eine dunkle Seite). 40 Spielkarten runden das Ganze ab. Darauf sind Aufgaben in drei Schwierigkeitsstufen sowie einige "Etagenkarten", welche benötigt werden um anzuzeigen wie hoch der Tempel werden muss um Siegen zu können-

Der Aufbau geht dann auch flott, die Anleitung bietet hier eine gute Orientierung und führt einleuchtend in das Spiel ein. Die Regeln sind gut erklärt. Die Symbole der Aufgabenkarten muss man in den ersten 2-3 Partien noch mal nachschlagen, aber diese prägen sich dann auch recht schnell ein.

Je nach Schwierigkeit bekommen die Spieler unterschiedlich viele Säulen (6,5,4..) und eine "Starthöhe" für den Tempel wird festgelegt, z.B. drei Etagen. Es gibt noch einen kleinen allgemeinen Vorrat an Säulen (6 Stück) und aus den ersten drei Tempelböden wird ein Fundament gebildet. Dann gehts los:

So spielt es sich:

An der Reihe kann ich als Spieler als erstes überlegen, ob ich ein oder mehrere meiner Säulen gegen welche aus dem Vorrat tausche. Hierzu schaue ich mir vor allem die vor mir ausliegenden Tempelböden an, denn diese zeigen farblich markiert Bereiche, in welche ich passende Säulen bauen kann. Und da die meisten Aufgaben von mir verlangen, dass ich genau solche Säulen aufbaue ist es sinnvoll, genügend passende Säulen zu besitzen. Es bringt mir nichts wenn ich z.B. sechs gelbe Säulen habe, es aber für gelbe Säulen nur einen einzelnen Bauplatz gibt.

Habe ich Säulen getauscht (oder auch nicht) ziehe ich als nächstes eine Aufgabenkarte. Davon gibt es drei verschiedene Schwierigkeitsgrade. Die einfachen Karten verlangen oft nur den Aufbau von einer oder zwei Säulen. Fast immer ohne Probleme zu machen. Die mittleren fordern schon mal den Aufbau von drei Säulen oder sogar das Versetzen von bereits errichteten Säulen auf höhere Etagen. Und die schweren Karten - von denen es am meisten gibt - verlangen sogar die Verlagerung einer kompletten Etagen, inkl. der darauf bereits gebauten Säulen !!

So beginnen wir meisten damit eine einfache Karte zu ziehen. Denn manche mittleren oder schweren Aufgaben sind zu Beginn überhaupt noch nicht möglich. Und wenn eine Aufgabe nicht gelöst werden kann wandert diese Karte als zusätzliche Etage zu unserer Höhenanzeige. So werden aus anfänglich drei Etagen mit der Zeit schon mal 5,6 oder 7 benötigte Etagen.

Ist eine Aufgabe erfolgreich geschafft wird die Karte dagegen einfach abgelegt. Eingesetzte Säulen ziehe ich als Spieler aus dem Beutel dann einfach nach. Baue ich eine Säule auf einen Tempelboden und belege damit den letzten der möglichen Bauplätze, muss ein neuer Tempelboden ausgelegt werden. Entweder als Fundament (dann gibt´s aber als Strafe eine weitere Etage dazu) oder eben als neue Etage auf Basis der vorhandenen Säulen. Auch das ist nicht trivial, denn die Formen der Böden sind teilweise recht eigenwillig und es ist nicht immer einfach, diese auf Säulen "aufsetzen" zu können.

Nach und nach arbeiten wir so die Aufgabenkarten reihum ab, ziehen Säulen nach und der Tempel wächst und wächst. Stürzt der Tempel irgendwann ein oder es fallen mehr als zwei Säulen um haben wir gemeinsam verloren. Das Spiel endet, wenn wir entweder keine Aufgabenkarten mehr haben, es keine Säulen mehr im Beutel zum nachziehen gibt oder alle Tempelböden verbaut sind. Gewonnen haben wir dann allerdings nur, wenn der Tempel die Anzahl an Etagen erreicht, welche wir mit Etagen-Karten vor uns ausliegen haben.

Unser Fazit:

Klar, ein solches Bau- und Geschicklichkeitsspiel macht schon mal was her auf dem Tisch. Die Story ist schön gewählt, das ganze Material gefällt uns gut. Es ist allerdings ganz schön kackig.

Die ersten zwei Partien haben wir verloren, weil jeweils eine Aufgabenkarte und dazu zwang, Säulen von unteren Etagen nach oben zu stellen und wir dabei den ganzen Tempel zum Einstürzen gebracht haben. Aber spannend bei den Kids zu sehen: Da gab es zwar Frust, aber der Wille "jetzt schaffen wir es" war dann doch deutlich größer.

Es sollte aber dennoch viel gesprochen werden. Ein etwas breiteres Fundament bietet mehr Möglichkeiten, auch wenn man dadurch schon mal eine Etage höher bauen muss. Es lohnt sich auch, dass man ganz gezielt einige Säulen oder sogar eine ganze (kleine) Etage so bereithält, dass man die schwierigen Aufgabenkarten dann später auch gut schaffen kann. Am Ende gehört aber einfach auch etwas Glück dazu, bzw. viel Pech kann einem eine Runde schon verderben.

Der Wiederspielwert allerdings ist und bleibt hoch. Er hat erst etwas abgenommen, als wir es nun auch ein paar mal geschafft haben. Hier kann man zwar die Schwierigkeit erhöhren (Mehr nötige Etagen, weniger Säulen pro Spieler) - aber irgendwie ist es "geschafft" und steht nicht mehr ganz so im Fokus. Bis dahin war es fast täglich gespielt und nun bleibt es definitiv im Spieleregal und wandert nicht in den Keller. Denn die schöne Abwechslung des bauens ist einfach eine Bereicherung zu sonst klassischen Brettspielen. Die Spieldauer von 45-60Min (je nach Tempelhöhe) ist an der Grenze für die Kids, also auch gerade noch ok.

Das meint Torsten: "Einige der Aufgaben sind nicht ohne und teilweise - je nach Spielstand - nicht zu schaffen. Dann kommen schnell 2-3-4 neue Etagen dazu und es wird schwierig. Aber man kann sich auch gezielt auf die Aufgaben vorbereiten"

Das meint Alex: "Mir macht das Auf- und Ausbauen unserer Tempelanlage viel Spaß. Den größten Reiz hat für mich das Platzieren der Böden. Einige stehen bei uns gerade so auf den Säulen und es ist ein Nervenkitzel, ob sie denn auch halten"

Das meint Linus (7): "Manchmal ganz schön schwer, aber ich ziehe oft die einfachen oder mittleren Aufgabenkarten. Nur wenn Säulen unter einem Boden weggezogen werden müssen muss das Papa für mich machen"

Das meint Lara (12): "Endlich mal wieder ein Spiel welches mir so richtig gut gefällt. Es ist ein Teamspiel und wir gewinnen oder verlieren zusammen. Und so ein Tempel aus 6 oder 7 Etagen sieht richtig beeindruckend aus"

Unser Familien-Rating (1-6, Schulnotensystem): 2-

Altersempfehlung: ab 6+ (eventuell lässt man die kleinen nur einfache Aufgaben ziehen oder hilft bei schwierigen Aktionen)

Spieler: 1-4

Preis: ca. 26€ (beachtet die Preisentwicklung auf Brettspiel Angebote)

Anleitung: Note 2 *Gut gemachte Regeln, eine kleine Extra-Übersicht über die Aufgabensymbole als "QuickReference Guide" wäre vielleicht noch eine Idee gewesen

Aufbau: Note 2 *Jeder bekommt ein paar Säulen, die Böden ausbreiten, die Karten hinlegen, los gehts. Da dauert das Abbauen nach einer Runde länger ;)

Material: Note 2 *Schöne Holzsteine, die Tempelböden sind robust und schön illustriert. Der Beute für die Säulen hätte etwas größer sein können

Spielerlebnis: Note 2 *Gemeinsam ist der Aufbau des Tempels ein großer Spaß. Die Spannung vor dem Zug der Aufgabenkarte, danach die Aufgabe zu lösen und geschickt die Säulen und Böden zu platzieren, da fiebert die ganze Familie mit!

Frustgefahr: Note 3 * Schon sehr ärgerlich wenn im Garten ein Windstoß den Turm umhaut oder einer am Tisch wackelt. Auch wenn ein schöner Turm instabil wird oder man wegen einer schwierigen Aufgabe zu viel Risiko eingeht und alles zusammen kracht - das gibt erst einmal lange Gesichter. Aber die Niederlagen führten nach kurz Frust immer wieder zu neuen Versuchen

Wiederspielwert: Note 2- * Bei uns war jede Niederlage eine große Motivation um es wieder und wieder zu versuchen. Spannend beobachte ich, dass wir nun , wo einige Runden auch gewonnen wurden, die Kids nicht mehr ganz so unbedingt nach Menara rufen. Es wird dennoch weiterhin gespielt, nur nicht mehr ganz so häufig. Hier dürfte ggf. eine Erweiterung (neue Aufgaben, neue Böden, eventuell neue Säulen) wieder frischen Wind ins Spiel bringen. Mal sehen ob eine folgt.

Fotogallerie:

#Menara #Zoch #OliverRichtberg #Bauspiel #Geschicklichkeit #82018

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