• Torsten Günzel

"Dragon Castle" von Horrible Games


#7/2018 - Meine Güte, was spielen plötzliche alle wieder Mahjong? Ich gebe zu, so richtig hatte ich mir die Spielberichte von Dragon Castle nie durchgelesen. Erst als es zur Spiel ´17 als eines der meist gesuchten/zu kaufenden Spiele gelisted wurde, bekam ich meine Zweifel ob meine Ignoranz angebracht ist und wurde neugierig. Auf der Messe dann schaute ich es mir an und hatte sofort wieder die Mahjong-Assoziation im Kopf. Leider irgendwie eine negative, denn ich entschied mich wieder dagegen, mich mit dem Spiel zu beschäftigen.

Einige Wochen vergingen und das Spiel geriet bei mir in Vergessenheit. Auch Freunde beschäftigten sich nicht mit dem Spiel, teilten meine Meinung zu "wer braucht schon eine Mahjong-Variante"? Erst als ich zum wiederholten Male meine Spielemagazine wälzte und auf der Suche nach dem letzten ungelesenen Artikeln war - da nahm ich mir die Zeit mich mit dem Spielprinzip vertraut zu machen. Und plötzlich wurde es spannend. Mahjong ja, irgendwie schon. Aber dann doch anders. Und die Punktewertung - mit Zwischenwertungen und einer Endwertung - erinnterte mich an Azul. So wie einiges andere auch. Und abstrakte Spiele standen (dank Azul) hier in der Familie eh gerade hoch im Kurs. Als das Spiel dann auch noch im Spielbrett in Köln für 39€ im Schaufenster stand ... konnte ich nicht mehr daran vorbei gehen. So landete es bei uns und wir bereuen es nicht!

Darum geht´s:

Die Autoren Lorenzo Silva, Hjalmar Hach und Luca Ricci haben einen ziemlich langen Entwicklungsweg hinter sich um Dragon Castle zu dem Spiel zu machen, welches heute vor uns liegt. In der Spielbox 2/2018 kann man dazu eine interessant geschrieben Story lesen. Die Idee ist schnell erzählt: Eine gewaltige "Drachenburg" bricht auseinander und die Steine werden nun von den Spielern genutzt, um selber neue Burgen zu bauen und damit ihre Positionen als Herrscher zu festigen. Soviel zur Geschichte.

Im Spiel selber nehmen wir als Spieler einen Stein (oder zwei Steine) aus der zentralen Ablage. Diese Ablage kann unterschiedlich aufgebaut sein und erinnert an die klassische Mahjong-Aufbauten. Mit diesen Steinen baut man nun auf seinem eigenen Spielertableau eine kleine Festung wieder auf. Liegen vier gleiche Steine der selben Symbolgruppe zusammen, löst dies eine Zwischenwertung aus. Sind eine bestimmte Anzahl von Steinen aus der Ablage genommen, kommt das Spiel langsam zum Ende. Eine Endabrechnung bringt noch mal Punkte. Und klar ist: Wer die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.

Verpackung, Material & Aufbau:

Ähnlich wie in Azul begeistern hier natürlich die Spielsteine. Diese liegen gut in der Hand, haben eine schöne Größe und eine gute Haptik. Nicht ganz so glatt geschliffen wie die "Fliesen" bei Azul gefällt die etwas rauere Oberfläche ganz gut. Erinnert tatsächlich etwas eher an den Bauschutt einer alten Drachenburg.

Diese Steine (116) sind mit Symbolen bestückt, welche an klassisches Mahjong erinnern. Es gibt insgesamt 6 Gruppen von Steinen (gleiche Farben), welche innerhalb einer Gruppe noch mal unterschiedliche Symbole haben. Gemischt (leider ohne schönen Stoffbeutel in der Box) werden diese dann auf dem Spielplan aufgebaut. Hier gibt es viele unterschiedliche Vorlagen, welche sich auch tatsächlich teilweise grundsätzlich anders spielen, da man die Steine von oben nach unten, quasi Ebene für Ebene, abtragen muss.

Neben den Steinen und dem Spielplan gibt es noch Karten (Geisterkarten, Drachenkarten), welche zusätzliche Spieleffekte erzeugen. Das erste Spiel sollte man ohne diese spielen. Ergänzt wird das Ganze mit Übersichtskarten (deren Symbolik sich uns nicht sofort erschlossen hat, nach 1-2 Spielen aber sehr hilfreich ist), einigen Siegpunktplättchen, 7 Zeitplättchen, den Gebiets-Tableaus der Spieler sowie 40 kleiner, schwarzer Schreine aus Plastik.

Der Aufbau braucht ein wenig, denn die 116 Steine müssen gemischt und dann auf den Spielplan platziert werden. Der Spielplan gibt dabei gut vor, wo Steine und bis in welche Höhe diese aufgebaut werden. Das ist die Drachenburg, welche wir nun schön Runde für Runde abtragen. Danach nur schnell jedem Spieler ein Tableau geben, ein paar Karten austeilen, jeder bekommt einen kleinen Schrein und schon legen wir los.

So spielt es sich:

Sind wir an der Reihe haben wir nur drei Möglichkeiten:

1. Wir nehmen uns ein Spieltstein-Paar. Dazu nehmen wir uns einen verfügbaren Spielstein (der muss an einer seiner Längseiten frei liegen) aus der obersten Etage und einen zweiten mit exakt gleichem Symbol aus einer beliebigen Ebene

2. Wir nehmen uns nur einen Spielstein und als zweites einen Schrein

3. Wir werfen einen Spielstein von der Drachenburg ab und erhalten einen Siegpunkt.

Zum Ende hin gibt es noch eine 4. Aktion: "Den Drachen herbeirufen". Dazu nehmen wir eine Zeitplättchen, erhalten zwei Siegpunkte und beschleunigen damit Ende des Spiels.

In der Regel wird man sich Steine nehmen. Diese legt man nun auf seinem Tableau ab. Hier gelten ebenfalls einfache Regeln: Ein Stein darf überall hingelegt werden, aber nie auf einen eigenen Stein, welcher noch mit dem Symbol nach oben (also offen) liegt.

Das besondere ist hier das "Zusammenführen" von Spielsteinen. Liegen vier Steine der selben Farbe nebeneinander, lösen diese eine Wertung aus. Das ist alles in der Anleitung sehr gut illustriert und beschrieben. So ausgelöste Steine werden umgedreht (und können dann überbaut werden). Außerdem kann man einen seiner Schreine (sofern man einen verfügbar hat) auf einen Stein legen. Die Schreine geben am Ende Punkte, und zwar abhängig von der Höhe. Es gilt also im wesentlichen zwei Dinge zu machen: Steine geschickt zusammen führen, so das sie bereits im Spiel viele Punkte bringen und Schreine hoch bauen, denn dann gibts am Ende auch noch einmal viele Punkte.

Die Art der Steine bringt noch mal ein wenig unterschiedliche Punktwertung, die Geistkarten und Drachenkarten mit ihren Sonderfunktionen sorgen - neben den unterschiedlichen Aufbauten der Drachenburg - für regelmäßige Abwechslung. Das Ende wird eingeleutet, wenn die Drachenburg nur noch Steine in der untersten Etage hat. Dann können die Spieler eine vierte Aktion durchführen und so das Ende ansteuern.

Unser Fazit:

Dragon Castle spielt sich irgendwie wie Mahjong - und dann doch ganz anders. Die Art und Weise, wie man die Steine aufnimmt, ist am japanischen Klassiker angelehnt. Damit dann auf seinem eigenen Tableau geschickte Wertungen auszulösen hat dann noch mal seinen eigenen Reiz. Da wird viel getüfftelt und ausprobiert. Natürlich hat man nie alle Steine so wie man sie braucht und so wird einiges aus der Not heraus gebaut. Aber auch damit umzugehen hat seinen Reiz.

Das Spiel braucht im direkten Vergleich etwas mehr Zeit als Azul. Es spielt sich etwas, mhhh, beruhigter. Aber dennoch gibt es einige Parallelen. Die geschickte Auswahl der Steine und das sinnvolle Positionieren auf dem eigenen Tableau sind solche Ähnlichkeiten. Lieber hohe Zwischenwertungen und dafür eventuell bei der Schlussrunde nicht ganz so dolle absahnen? Das sind Entscheidungen, welche sowohl bei Azul als auch bei Dragon Castle nötig sind. Und so spielen sich die Spiele recht ähnlich - und dann eben doch irgendwie anders. Wir greifen zwar häufiger zu Azul, aber eine schöne Runde Dragon Castle hat dann was besinnliches. Dazu einen schönen Tee und man erlebt herrliche Runden.

Das meint Torsten: "Ich mag die Haptik der Steine, dass Abbauen der Drachenburg und das tüfteln um geschickte Zusammenführungen auf dem eigenen Tableau. Dragon Castle spielt sich - zumindest bei uns - irgendwie besinnlicher als Azul. Es braucht zwar auch eher die richtige Zeit und Stimmung, aber dann kommt es richtig gut."

Das meint Alex: "Ich greife ehrlich gesagt eher zu Azul! Aber deswegen ist Dragon Castle nicht viel schlechter. Die Kombination aus Mahjong und der schönen Idee des eigenen Tableaus ist schon sehr gelungen. Außerdem habe ich jetzt auch mal wieder auf eine richtige Runde Mahjong"

Das meint Linus (7): "Ich mag das Spiel und die Steine und versuche immer, so hoch wie möglich zu bauen um die Schreine da zu platzieren. Damit gewinne ich nur leider nicht so oft."

Das meint Lara (12): "Habe ich ehrlich gesagt noch nicht gespielt. Ich bin nicht so Fan von dieser Art von Spielen und wenn, dann bin ich eher für eine Runde Azul zu haben."

Unser Familien-Rating (1-6, Schulnotensystem): 2

Altersempfehlung: ab 8+ (Auch hier gilt: Es geht auch schon für Jüngere. Dann am besten ohne Zusatzkarten spielen und z.B. auch die Zusammenführung der Steine nicht so stark bewerten. Dann können sich die Kleinen auf eine Sache konzentrieren, z.B. die Schreine so hoch wie möglich zu bauen)

Spieler: 1-4

Preis: ca. 40€ (beachtet die Preisentwicklung auf Brettspiel Angebote)

Anleitung: Note 1-2 *Wirklich toll veranschaulicht und beschrieben. Die Symbole der Übersichtskarten waren uns nicht sofort klar, aber in Kombination mit den Regeln macht das alles Sinn ;)

Aufbau: Note 2-3 *116 Steine zu platzieren braucht schon ein wenig, zusammen gehts natürlich gleich mal viel schneller!

Material: Note 2* Natürlich eine 1 für die erstklassigen Steine. Die etwas dünnen Spielbretter zum Aufbau der Drachenburg und der fehlende Beutel für die Steine geben hier einen kleinen Abzug.

Spielerlebnis: Note 2* Das Spiel macht eine Menge Laune. Es ist bei uns allerdings irgendwie ruhiger und entspannter als Azul. Weniger der eifrige Wettkampf als eher das geduldige, sinnliche bauen. Keine Ahnung, es muss an den Symbolen liegen ;)

Frustgefahr: Note 1-2 * Gering.

Wiederspielwert: Note 2* Hoch. Der Aufbau und die etwas längere Dauer als bei Azul sorgen dafür, dass wir öfters zu Azul greifen. Aber wenn wir mal richtig entspannen wollen wird zu Dragon Castle gegriffen. Und das ist nicht weniger spannend und mind. genauso herausfordernd!

Fotogallerie:

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